11.8.2016

Psychisch krank am Arbeitsplatz - was tun?

Herr Dr. Lütz, Psychiater, Psychotherapeut und Theologe, wird am 07. September 2016 in der Kreissparkasse Erkelenz einen Vortrag über psychische Erkrankungen halten, … sicherlich in viel Humor verpackt. Was hat das mit der Arbeitswelt zu tun?

Es ist bekannt, dass etwa jeder Dritte einmal in seinem Leben eine psychische Erkrankung oder Krise durchmacht. Jeden von uns kann es treffen! Depressionen und auch Angststörungen sind besonders häufig. Leider werden nicht alle ausreichend behandelt. Fehlzeiten wegen psychischer Erkrankungen nehmen seit Jahren kontinuierlich zu. Sie haben also auch Auswirkungen auf die Wirtschaftlichkeit eines Unternehmens.

Hat sich ein Mitarbeiter in relativ kurzer Zeit deutlich verändert - sei es bei der Arbeitsleistung, seinem Verhalten Kollegen und Kunden gegenüber oder auch nur in seiner Stimmung -, sollte man ihn in einer ruhigen Minute darauf ansprechen. Ein Einstieg könnte sein: „Mir ist aufgefallen, dass Sie in letzter Zeit …“. In einem weiteren Schritt könnte man fragen, ob er selbst eine Erklärung dafür hat, ob besondere Belastungen vorliegen oder gar die Arbeit eine Rolle spielt. Selbst wenn der Mitarbeiter beim ersten Mal abweisend reagiert, sollte man sich nicht entmutigen lassen und es erneut versuchen. Und falls man unsicher ist, den richtigen Ton zu treffen? Wichtiger als die konkreten Worte ist das Signal echten Interesses. Nur Vorwürfe oder Aufforderungen wie „reißen Sie sich zusammen“ (das hat er meist nämlich schon vergeblich versucht!) sind wenig hilfreich. Ein kranker Mensch hat feine Antennen dafür, wie sein Umfeld zu ihm steht!

Was nun tun, wenn sich herausstellt, da stimmt mit der seelischen Verfassung etwas ganz und gar nicht? Ist jemand nicht mehr in der Lage, eine einigermaßen angemessene Arbeitsleistung zu erbringen, so sollte man ihn sicherlich nach Hause schicken, immer mit der Aufforderung, sich behandeln zu lassen. Ist auf die Schnelle kein Termin bei Psychiater oder Psychotherapeut zu bekommen, ist der Hausarzt der erste Ansprechpartner. Auch vielfältige Beratungsstellen stehen zur Verfügung. Im betrieblichen Rahmen kann der Betriebsarzt eingeschaltet werden.

Nicht immer ist Krankschreibung die Lösung, denn die Arbeit kann ja auch stabilisierend wirken: Sie bietet eine Tagesstruktur, eine Aufgabe und soziale Kontakte. Möglicherweise steckt auch keine echte Krankheit dahinter, aber auch bei einem Todesfall in der Familie, einer Trennung oder Sorgen um den Nachwuchs tut ein aufmunterndes Wort und ein Hilfsangebot gut. So könnte man ihm Unterstützung und/oder vorübergehende Entlastung anbieten und im Einzelfalle klären, worin diese bestehen könnte.

Kommt ein Mitarbeiter nach längerer Krankenphase in den Betrieb zurück, spielt das betriebliche Eingliederungsmanagement eine wichtige Rolle. Darüber haben wir schon berichtet.

Im Internet lässt sich eine ganze Reihe von Handlungshilfen zum Umgang mit psychisch Kranken finden. Eine Übersicht findet sich beispielsweise unter der Adresse http://psyga.info/ueber-psyga/materialien/handlungshilfen/.

Dr. Cornelia Groschopp
Gesundheitsamt des Kreises Heinsberg